| Christoph Rothmann |
| Geschrieben von Dr. Jürgen Hamel | |
| 30.05.2006 | |
Rothmann, Christophgeb. um 1560 (Bernburg, Sachsen-Anhalt), gest. um 1600 (vermutlich in Bernburg)
Rothmann stammt aus Bernburg im Fürstentum Anhalt und studierte an der Universität Wittenberg. Im November 1584 trat er in den Dienst des Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel als Astronom an der dortigen Sternwarte. Rothmann erwies er sich als exzellenter Beobachter. Sein für die Epoche 1586 bearbeiteter Katalog weist die außerordentlich geringe Standardabweichung (bezogen auf den Fundamentalstern Aldebaran) von ± 1.2' in Rektaszension sowie ± 1.5' in Deklination auf (zum Vergleich lauten z.B. die betreffenden Werte bei Tycho Brahe: ± 2.3' für die Rektaszension und ± 2.4' für die Deklination). Der Katalog umfaßt 383 Sterne und stellt einen entscheidenden Durchbruch in der neueren astronomischen Beobachtungstätigkeit dar. Er beruht als erster Katalog der Neuzeit vollständig auf eigenen Beobachtungen. Rothmann arbeitete nicht mit Instrumenten großer Dimensionen, sondern verwendete mittelgroße, genau justierte Metallinstrumente mit besonders präzis hergestellten Visiereinrichtungen. Neben z.B. Tycho Brahe und Wilhelm IV. gelangte Rothmann vor allem nach Beobachtungen des Kometen von 1585, an dessen Örter er keine Parallaxe feststellen konnte, als einer der ersten Astronomen zur Überzeugung der kosmischen Natur der Kometen. Er vertrat die antiaristotelische Schlußfolgerung, derzufolge die Substanz der Kometen in keiner Weise von der elementischen Region unterhalb des Mondes verschieden sei und deshalb sowohl die Lehre vom Äther, als auch die einer speziellen himmlischen Region des Feuers der wissenschaftlichen Grundlage entbehre. Zwischen der Sphäre der Fixsterne und der Erde gäbe es nichts, als Luft sowie die sich in ihr bewegenden Planeten. Dies stellt eine bedeutende Erkenntnis der stofflichen Einheit des Irdischen mit den Kometen als Himmelskörpern, mithin der stofflichen Einheit des Kosmos dar. Den Kometenschweifen gibt er nach genauen Beobachtungen eine eigenständige stoffliche Natur, was der zu seiner Zeit weit verbreiteten Lehre entgegensteht, nach der die Schweife lediglich ein Reflex durchstrahlenden Sonnenlichtes in der Himmelsluft oder dem Äther seien. Rothmann bekannte sich als einer der ersten bedeutenden Astronomen zum heliozentrischen Weltsystem des Copernicus als wahrer Widerspiegelung des Weltbaus. Mit den Arbeiten Rothmanns, dem von Wilhelm IV. entwickelten Arbeitsprogramm sowie den von J. Bürgi konstruierten Uhren und Instrumenten entwickelte sich Kassel neben den Sternwarten Brahes zu einem Zentrum astronomischer Forschung. Literatur:
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| Letzte Aktualisierung ( 05.06.2006 ) |