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Bericht von der Tagung zum Schloss Bernburg am 02.12.2006 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
07.12.2006

Tagungsbericht

Reinhard Schmitt (Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Halle)

Eingeleitet wurde die Reihe der Vorträge durch Ausführungen von Reinhard Schmitt zum Thema „Die mittelalterliche Burg Bernburg".

Dabei verdeutlichte er, dass die Untersuchung der Baugeschichte der Burg Bernburg bis zum Ende des 15.Jh. bisher stark vernachlässigt wurde. So fehlen aussagekräftige Dokumente zu archäologischen Befunden und systematische Untersuchungen zur Einordnung der vorhandenen Bausubstanz.

Ein Defizit, dass sich so auch an anderen Burganlagen nachvollziehen lässt, die in den 50er Jahren von Herrmann Wäscher oft nur oberflächlich und spekulativ bearbeitet und in der Folgezeit keinerlei weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen unterzogen wurden.

Reinhard Schmitt konnte daher nur die bisher bestehenden und lückenhaften Erkenntnisse zum Verlauf der Ringmauer, der Gestalt der ehemaligen romanischen Burgkapelle und des gotischen Zwingersystems der ehemalige Burganlage zusammenfassen und aufzeigen, welche Bereiche (Beispiel: Dendrochronologische Untersuchung hölzerner Konstruktionsteile des „Alten Hauses") dringend einer näheren Untersuchung unterzogen werden müssten.

Birthe Rüdiger (Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Halle)

Der Beitrag von Frau Birthe Rüdiger die krankheitsbedingt leider nicht teilnehmen konnte wurde dankenswerterweise von Frau Dr. Schneider in Kurzfassung vorgetragen.

Schwerpunkte der Ausführungen bildete der Zustand der hofseitigen Fassade des Langhauses vor den um 1914 begonnenen Sanierungsarbeiten, der mit zwei historischen Fotografien belegt wurde, sowie die Neuanordnung zahlreicher Fensteröffnungen seit dem 19.Jh.

Jonas Jüttner (Architekturbüro Peter Girke, Halle)

 weissersaal
Derzeitiger Zustand "Weißer Saal" im 2. Obergeschoss 

Im Anschluss referierte Herr Jonas Jüttner vom Architekturbüro Girke über die Probleme der statisch-konstruktiven Sicherung des Baukörpers.

An Hand von zahlreichen Fotografien erläuterte er zunächst eindrucksvoll die vielfältigen Schadensbilder an den hölzernen Konstruktionen. Der Vortrag Jüttners gliederte sich entsprechend der Bauetappen der Sicherungsarbeiten, die sich wiederum an die Bauabschnitte des Langhauses Victor-Amadeus-Bau, Joachim-Ernst-Bau und Wolfgangbau anlehnen.

Weiterhin gab Jüttner einen Überblick über die Schwierigkeiten der statischen Konstruktion des Gebäudes.

Er verdeutlichte, dass die zahlreichen und oft nur mangelhaft durchgeführten Reparaturen und Umbauten zu einer unüberschaubaren Zahl an statischen Systemen geführt haben, deren Komplexität eine effiziente Sicherung erschwert.

Ausgehend von dem bereits im Barock erfolgten Umbau des Zwerchhausgeschosses zum Vollgeschoss, der die grundlegende Veränderung der Dachentwässerung zur Folge hatte, kam es, vor allem nach der Verlegung gusseiserner Fallrohre im Mauerwerk, zum großflächigen Befall mit dem „Echten Hausschwamm", der die Zerstörung zahlreicher hölzerner Konstruktionen herbeiführte.

Aber auch im Bereich der in den 30er Jahren sanierten Fassade wurden  infolge der unsachgemäßen Befestigung der Kunststeinelemente, die zur Korrosion eiserner Verbindungselemente und der damit verbundenen Rissbildung führte, umfangreiche Zerstörungen festgestellt, die sogar den Absturz einzelner Fassadenteile zur Folge haben könnten.

Abschließend führte Jüttner aus, wie die aufgezeigten Probleme im Zuge der Bauarbeiten gelöst wurden und wie ausgebaute Bauteile (Stuckelemente, Säulen und Fußböden) in „Bergelagern" deponiert sind.

Dr. Sabine Schneider (Schneider & Küster Büro für Denkmalpflege, Leipzig)

saeulehofstube

Säule der ehemaligen Hofstube im
Erdgeschoss  des "Joachim-Ernst-
Baus" mit Resten der bauzeitlichen
Farbfassung

Dr. Sabine Schneider stellte in Ihrem Vortrag die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse zur restauratorischen Dokumentation des Langhauses vor.

Der mit Spannung erwartete Beitrag begann mit Ausführungen zu den erst kürzlich wiederentdeckten Resten der renaissancenen „Neuen Hofstube" im Erdgeschoss des Joachim-Ernst-Baus.

Da im Langhaus bei allen späteren Umbauten grundsätzlich nicht abgebaut, sondern fast ausschließlich angebaut wurde, hat sich unter den späteren Schichten ein „großartiger Bestand" an Zeugnissen aus der Bauzeit des Gebäudes erhalten.

Neben den Säulen und dem 18m langen Unterzug der „Neuen Hofstube" sowie Teilen der bauzeitlichen Raumdecke trifft diese Aussage vor allem auf die Reste der farblichen Oberflächengestaltung zu, die ebenfalls auf den Bau Nickel Hoffmanns zurückzuführen ist.

Die Befunde traten dabei vor allem an den beiden Säulen zu Tage, die mit einer auffälligen und kräftigen Marmorierung gestaltet waren. Die gleiche Farbfassung fand sich auch im Bereich der Fensteröffnungen wieder.

Die Gestaltung der Raumdecke wurde von den mit Pflanzenschwarz gefassten Deckenbalken dominiert, die zusätzlich in den weiß gekalkten Deckenfeldern mit einem Beistrich abgesetzt waren.

Dieses Gestaltungsprinzip konnte auch an anderen Raumdecken des Gebäudes bis in das 1. Obergeschoss in unterschiedlichen Varianten für den Renaissancebau nachgewiesen werden.

Neben der für die funktionale Struktur des Schlosses bedeutenden Hofstube beschäftigte sich der Vortrag weiterhin mit der im Erdgeschoss des Wolfgangbaus erhalten gebliebenen „Tafelstube".

Auch hier hat sich die bauzeitliche Raumdecke erhalten. Dabei weist der vorhandene Unterzug eine auffällig abweichende Gestaltung zu dem der Hofstube auf.

decke-tafelstube
Freigelegter Deckenunterzug im Bereich der ehemaligen
Tafelstube im Erdgeschoss des "Wolfgangbaus"

Damit kann ein höheres Alter der Deckenkonstruktion angenommen werden.

Da die Untersuchungsarbeiten in diesem Bereich erst vor wenigen Tagen begonnen haben, ist zur Zeit noch keine weitere Aussage zum Erhaltungszustand der Farbfassungen möglich.

Die sich östlich an die Tafelstube anschließenden Gewölbedecken konnten bisher nicht untersucht werden.

Auch im 1.Obergschoss des Gebäudes fanden sich zahlreiche bauzeitliche Details.

So haben sich unter Deckenabhängungen im Vorraum des „Grünen Saales" und eines Raumes, der sich östlich an die „Mittlere Leuchte" anschließt renaissancene Unterzüge mit entsprechenden Farbfassungen erhalten.

Dabei bestätigte sich die Annahme Stephan Hoppes, dass sich im 1. Obergeschoss die grundlegende Raumaufteilung seit der Renaissance nicht veränderte.

Interessant dürften in dieser Hinsicht Befunde (Werkstein mit Farbresten, Feierabendziegel mit Tierfußabdrücken, Formsteine) zur Gestaltung der ehemaligen Ostfassade des Wolfgangbaus sein, die sogar Rückschlüsse auf die Farbfassung der Außenfassade des Baus von Andreas Günther zulassen.

Neben den umfangreichen Zeugnissen aus der Bauzeit konnten aber auch Reste der barocken Raumgestaltung gesichert werden.

So hat sich im Bereich der Hofstube ein kleines Fragment der ursprünglich großzügig zur Dekoration (Quellenbelege in Inventaren) verwendeten Goldledertapete erhalten.

Weiterhin fand sich im Bereich des Vorraumes des „Grünen Saales" ein Rest einer Kaminplatte aus der Zeit um 1700.

gruenersaal
Derzeitiger Zustand "Grüner Saal" im ersten Obergeschoss
des "Joachim-Ernst-Baus"

Ausführlich befasste sich Frau Dr. Schneider mit den zahlreichen Befunden zur klassizistischen Umgestaltung des 19.Jh. unter Hofbaurat Johann August Philipp Bunge.

Beginnend mit der Raumgestaltung des „Grünen Saales", die interessanterweise schon von Bunge selbst im Jahr 1857 noch einmal grundlegend verändert wurde, führte der Vortrag über den „Weißen Saal" zu den Wohnräumen der letzten Herzogin Friedrike von Anhalt-Bernburg im 2. Obergeschoss.

Dabei wurde deutlich, dass es sich bei den Raumbezeichnungen „Grüner" bzw. „Weißer Saal" um Begriffe des 20. Jahrhunderts handelte.

Beide Räume waren ursprünglich mit einer kräftigen farbigen Raumfassung versehen, wobei beim „Grünen Saal" umfangreiche Flächen, wie beispielsweise die Säulenschäfte, vergoldet waren. Die Entwürfe Bunges orientierten sich dabei stark an den Idealzeichnungen in dem 1806 erschienenen „Elementarzeichenwerk" des Berliner Architekten und späteren Schinkel-Lehrers an der Berliner Bauakademie Heinrich Gentz (1766-1811).

Auch im derzeit als „Weißen Saal" bezeichneten Raum, dominierten ursprünglich kräftige Farben.

Besonders aufschlussreich war die neue zeitliche Zuordnung von bisher als „klassizistisch" betrachteten Raumdekorationen einzelner Räume des 2. Obergeschosses zur Sanierung der 1930er Jahre aufgrund neu aufgefundener Entwurfszeichnungen für die Einbauschränke im Räumen des Amtsgerichtsdirektors aus dem Jahr 1930.

Durch die Anlehnung an die klassizistischen Vorbilder bei der Raumgestaltung und die hochwertige Ausführung der Stuckarbeiten und des Parketts wurde die Ausstattung bisher fälschlicherweise der bungeschen Bauphase zugeschrieben, deren Befunde sich aber unter der vorhandenen Raumgestaltung erhalten haben.

Abschließend beschäftigte sich der Vortrag mit den im östlichen Abschnitt des 2. Obergeschosses gelegenen Wohnräumen der Herzogin Friedrike von Anhalt Bernburg.

Hier haben sich neben der unveränderten Raumstruktur von Schlaf- und Badezimmer aus dem Jahr 1838 auch künstlerische Details der hochwertigen Ausmalung wie Blumenmotive der Kassettendecke des Schlafzimmers und ein Wandbild des Lieblingsschlosses der Herzogin, Schloss Glücksburg, im Vorraum des Badezimmers erhalten, die aufwendig geborgen oder in situ gesichert wurden.

Frau Dr. Schneiders Vortrag endete mit dem Bericht von dem Fund umfangreicher Reste erhaltener Papiertapete aus dem 19.Jh. in einem der „Leuchtenzimmer" des 2. Obergeschosses nach der Entfernung einer jüngeren Wandverkleidung. Die Tapete zeigt neogotische Maßwerkmotive.

Herr Sven Raecke, Erfurt

Der Vortrag Sven Raeckes konzentrierte sich auf die im Zuge der Restaurierung bis zum Jahr 1936 angebrachte Kunststeinfassade des Langhauses.

Zunächst beschrieb er detailliert die zur Anwendung gekommenen Verfahren zur Herstellung der Kunststeinelemente und erläuterte Hintergründe dieser unvollendet gebliebenen Restaurationsmaßname des 20.Jh.

Raecke stellte dabei im Zuge des Verlaufs der Arbeiten eine Abnahme der Qualität entsprechend dem Baufortschritt (Beginn östlicher Fassadenabschnitt Hofseite bis zum Abbruch der Arbeiten an der westlichen Fassade Gartenseite im Bereich des Joachim-Ernst-Baus) fest, die sich in der Zunahme der Größe der verwendeten Kunststeinelemente und der fortschreitenden Rationalisierung der eingesetzten Verfahren zeige.

Er wies zugleich auch eingehend auf die bereits im Vortrag von Jüttner aufgezeigte Problematik der durch den Einsatz falscher Mörtelmischungen im Bereich der eisernen Verbindungselemente der Kunststeinfassade auftretenden Korrosion hin, die zur Abplatzung und Rissbildung führte.

Der Vortrag Raeckes endete mit der Vorstellung der aufgefundenen Farbbefunde der Fassadenelemente und der Erläuterung der auf der Basis der ersten Farbfassung prototypischen realisierten Farbengebung eines Zwerchhausgiebels der Hoffassade als Diskussionsgrundlage für die weitere Gestaltung der Langhausfassade.

Letzte Aktualisierung ( 07.12.2006 )
 
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