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Bürgi, Jost, Byrgius, Jobst PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Jürgen Hamel   
30.05.2006

Bürgi, Jost, Byrgius, Jobst

geb. 1552 (Lichtensteig, Kanton St. Gallen, Schweiz), gest. Jan. 1632 (Kassel, Hessen)

buergi Bürgi ist einer der Erfinder der Logarithmen, stellte sehr genau gehende Uhren und uhrwerksgetriebene Präzisionsgloben her, führte konstruktive Verbesserungen an astronomischen Instrumenten aus und war als astronomischer Beobachter tätig.

Bürgi ist eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Wissenschaftsgeschichte. Von seinem frühen Lebensumständen ist kaum etwas bekannt. In seiner Heimat erhielt er nur eine rudimentäre Schulbildung, des Lateinischen war er nach eigenen Zeugnissen nicht mächtig.

Am 25.7.1579 trat Bürgi als Uhrmacher in den Dienst des Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel , der auf seinem Schloß eine Sternwarte eingerichtet hatte. Ab 1582 konstruierte er Himmelsgloben mit Uhrwerksautomatik, die Meisterwerke der Uhrmacherkunst darstellen, zugleich Kunstwerke von Weltgeltung. Bürgis Bemühungen um die Verbesserung der Zeitmessung führten zur Konstruktion der genauesten Uhren des 16. Jahrhunderts mit filigraner Gestaltung, Langzeitlaufwerk mit Zwischenaufzug bei gleichbleibender Kraftübertragung sowie z.T. der von ihm erfundenen Kreuzschlaghemmung.

Seit Ende 1584 arbeitete Bürgi auf der Kasseler Sternwarte zusammen mit Christoph Rothmann . Er verbesserte mehrfach die Visiereinrichtungen der Beobachtungsinstrumente, die Anbringung des Lotfadens und führte an ihnen transversale Teilungen aus. Bürgis Uhren trugen der Zeitmessung bei Himmelsbeobachtungen eine zuvor nicht gekannte Bedeutung ein.

Seit 1590 entfaltet Bürgi in Kassel eine eigenen, rege Beobachtungstätigkeit, die sich vor allem auf Planetenörter relativ zu Sternen bezieht, gemessen mit einem astronomischen Sextanten; sie wurden 1618 von W. Snellius herausgegeben.

Gegen Ende der 90er Jahre wirkte Bürgi immer mehr am Prager Kaiserhof, bis er ganz dorthin übersiedelte und in Prag u.a. mit Kepler zusammenarbeitete.

Bürgi erfand spätestens bis 1605, unabhängig von J. Neper, ein Logarithmensystem, das er jedoch erst in den „Progress Tabulen"1620 veröffentlichte. Seine Schrift zur Algebra, über die „Coss", blieb als Manuskript zurück und wurde erstmals in der Bearbeitung J. Keplers 1973 publiziert.

Literatur

  • Bürgi, Jost: Die Coss von Jost Bürgi in der Redaktion von Johannes Kepler. Ein Beitrag zur frühen Algebra. Bearb. von Martha List und Volker Bialas. München 1973 (Bayer. Akademie der Wissenschaften, Math.-naturwiss. Kl. / Abhandl. N.F.; 154 - Nova Kepleriana NF.; 5)
  • Hamel, Jürgen: Die astronomischen Forschungen in Kassel unter Wilhelm IV. Mit einer Teiledition der deutschen Übersetzung des Hauptwerkes von Copernicus um 1565. Frankfurt 2002 (Acta Historica Astronomiae; 2)
  • Leopold, J. H.: Astronomen, Sterne, Geräte. Landgraf Wilhelm IV. und seine sich selbst bewegenden Globen. Luzern 1986
  • Snellius, Willebrord: Coeli & siderum in eo errantium observationes Hassiacae, illustrißimi prin­cipis Wilhelmi Hassiae Lantgravii auspicijs quondam institutae. Lei­den 1618
Letzte Aktualisierung ( 05.06.2006 )
 
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