Bürgi, Jost, Byrgius, Jobst
geb.
1552 (Lichtensteig, Kanton St. Gallen, Schweiz), gest. Jan. 1632 (Kassel,
Hessen)
Bürgi
ist einer der Erfinder der Logarithmen, stellte sehr genau gehende Uhren und
uhrwerksgetriebene Präzisionsgloben her, führte konstruktive Verbesserungen an
astronomischen Instrumenten aus und war als astronomischer Beobachter tätig.
Bürgi
ist eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Wissenschaftsgeschichte.
Von seinem frühen Lebensumständen ist kaum etwas bekannt. In seiner Heimat
erhielt er nur eine rudimentäre Schulbildung, des Lateinischen war er nach
eigenen Zeugnissen nicht mächtig.
Am 25.7.1579 trat Bürgi als Uhrmacher in den Dienst des
Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel , der auf seinem Schloß eine Sternwarte
eingerichtet hatte. Ab 1582 konstruierte er Himmelsgloben mit
Uhrwerksautomatik, die Meisterwerke der Uhrmacherkunst darstellen, zugleich
Kunstwerke von Weltgeltung. Bürgis Bemühungen um die Verbesserung der
Zeitmessung führten zur Konstruktion der genauesten Uhren des 16. Jahrhunderts
mit filigraner Gestaltung, Langzeitlaufwerk mit Zwischenaufzug bei
gleichbleibender Kraftübertragung sowie z.T. der von ihm erfundenen
Kreuzschlaghemmung.
Seit
Ende 1584 arbeitete Bürgi auf der Kasseler Sternwarte zusammen mit Christoph
Rothmann . Er verbesserte mehrfach die Visiereinrichtungen der
Beobachtungsinstrumente, die Anbringung des Lotfadens und führte an ihnen
transversale Teilungen aus. Bürgis Uhren trugen der Zeitmessung bei
Himmelsbeobachtungen eine zuvor nicht gekannte Bedeutung ein.
Seit 1590 entfaltet Bürgi in
Kassel eine eigenen, rege Beobachtungstätigkeit, die sich vor allem auf Planetenörter
relativ zu Sternen bezieht, gemessen mit einem astronomischen Sextanten; sie
wurden 1618 von W. Snellius herausgegeben.
Gegen
Ende der 90er Jahre wirkte Bürgi immer mehr am Prager Kaiserhof, bis er ganz
dorthin übersiedelte und in Prag u.a. mit Kepler zusammenarbeitete.
Bürgi
erfand spätestens bis 1605, unabhängig von J. Neper, ein Logarithmensystem, das
er jedoch erst in den „Progress Tabulen"1620 veröffentlichte. Seine Schrift zur
Algebra, über die „Coss", blieb als Manuskript zurück und wurde erstmals in der
Bearbeitung J. Keplers 1973 publiziert.
Literatur
- Bürgi,
Jost: Die Coss von Jost Bürgi in der Redaktion von Johannes Kepler. Ein Beitrag
zur frühen Algebra. Bearb. von Martha List und Volker Bialas. München 1973
(Bayer. Akademie der Wissenschaften, Math.-naturwiss. Kl. / Abhandl. N.F.; 154
- Nova Kepleriana NF.; 5)
- Hamel,
Jürgen: Die astronomischen Forschungen in Kassel unter Wilhelm IV. Mit einer
Teiledition der deutschen Übersetzung des Hauptwerkes von Copernicus um 1565.
Frankfurt 2002 (Acta Historica Astronomiae; 2)
- Leopold,
J. H.: Astronomen, Sterne, Geräte. Landgraf Wilhelm IV. und seine sich selbst
bewegenden Globen. Luzern 1986
-
Snellius, Willebrord: Coeli & siderum in eo errantium observationes
Hassiacae, illustrißimi principis Wilhelmi Hassiae Lantgravii auspicijs
quondam institutae. Leiden 1618
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