Der Architekt C.G.H. Bandhauer
Christian Gottfried Heinrich Bandhauer wurde am 22. März
1790 in Roßlau als Sohn eines Amtmannes in einfachen Verhältnisse geboren. Über
seine Jugendzeit ist nur wenig bekannt.
Im Anschluß an seine Zimmermannslehre, deren Wanderschaft
ihn 1809 von Hamburg über Kassel bis in die Schweiz und das Elsaß führte, nahm
er ein Architekturstudium an der staatlichen Bauschule in Darmstadt auf. Ab
1819 war er im Dienste des Herzogs Friedrich Ferdinand von Köthen-Anhalt
zuständig für die Erhaltung, den Um- und Neubau von Kirchen, Straßen- und
Wasserbau einschließlich Brücken, Schulen und landwirtschaftlichen Gebäuden,
die in den damals fünf kleineren Städten und 110 Dörfern bzw. Domänen und
Vorwerken des Herzogtums existierten. 1822 wurde er zum Bauinspektor, 1823 zum
Baurat ernannt, der mit der Leitung aller herzoglichen Bauten "in der
Residenz Köthen und in unseren Landen" betraut wurde.
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Thron- bzw. Spiegelsaal des Schlosses in Köthen
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Sein sogenannter "Quadrat-Hohlbau"- Gedanke von
einem universell nutzbaren Baukörper mit Zelt- oder auch Satteldach durchzieht
das Bauschaffen an staatlichen,
kirchlichen und kommunalen wie privaten Wohn- und Wirtschaftsbauten.
Konstruktion, Funktion und Form bilden eine Einheit, wie es die Bauauffassung
des Klassizismus forderte. Bandhauer vollbrachte in relativ kurzem Zeitraum
eine große Leistung als Architekt. Etwa 30 Nutzbauten, z.B. Ställe, Scheunen,
Guts- und Zollhäuser und 10 Repräsentationsbauten, u.a. der Spiegelsaal und der
Ferdinandsbau des Schlosses in Köthen oder die Katholische Kirche in Köthen,
bezeugen noch heute seine rege Tätigkeit.
Zu den zahlreichen Bauten, die heute nicht mehr existieren,
gehört die Hängebrücke über die Saale bei Nienburg, die 1825, ein viertel Jahr
nach der Fertigstellung, bei einer Ehrerbietung für den Herzog zusammenbrach.
Bei dem Unglück ertranken 50 Menschen. Die Brücke bestand aus zwei statisch
selbständigen Brückenhälften, Belastungsproben erwiesen, dass sie eine höhere
Tragfestigkeit aufwies als geplant. Sie konnte jedoch dem Druck, der "dem
Takte der Marschmusik" entsprang und die Brücke in "schwingende
Bewegung" versetzte, nicht standhalten, so dass die Gegenhalteketten
rissen.
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Katholische Kirche St. Mariae Himmelfahrt in Köthen
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Erst vier Jahre nach dem Ereignis wurde er vollständig
rehabilitiert, weil er "für einen so höchst unbesonnenen und eben daher
nicht zu erwartenden Mißbrauch seines Werkes nicht verantwortlich gemacht
werden kann."
Trotz dieses Unglücksfalles war Bandhauer ein stolzer Mann,
der sich seines Könnens bewußt war. Häufig lag er in Zwietracht mit seinen
autoritären Auftraggebern, weil er ihnen widersprach. Sein kombattantes Wesen
verstellte bei der Beurteilung seiner Arbeit bis heute immer wieder den Blick
für die Originalität seiner Einfälle. Er starb am 22. März 1837 in Roßlau als wohlhabender, aber auch als
gescholtener Bürger.
Zehn Aussagen zu seiner Bauauffassung:
- Mehr
leisten als Versprechen
- Solide
und kunstrichtig bauen, aber mit den geringsten Kosten
- Mag
in anderen Stücken Sein und Schein verwechselt werden, in der Baukunst ist
Wahrheit - wenn auch einfache, die höchste Zierde.
- Die
vollkommenste Bauform muß von dem Objekt, dem Körper der Alleinheit, der
seinen Stützpunkt in sich selbst trägt, abgeleitet werden.
- Denn
nur dadurch, daß ein Bau seine eigene, in sich selbst geschaffene
Festigkeit habe, wird er erst zum wahren
Kunstwerke.
- Das
vollkommene Kunstwerk bleibt stets nur unvollkommene Nachahmung der Natur.
- Die
äußere Harmonie eines Baues setzt zugleich auch die innere, das heißt die
gut mit der Construktion eines
Baues übereinstimmende Einrichtung voraus.
- Über
den Charakter eines Baues entscheidet nicht der Rang des Eigenthümers,
sondern die Bestimmung des Baues selbst.
- Kein
Bau soll im Aeußern anders scheinen, als was er im Innern wirklich ist.
- Nur
das ist schön, was Zweck hat.
Quelle:
Studienarbeit an der Hochschule Anhalt (FH) im Studiengang Landespflege
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