Exkursion der Kulturstiftung Bernburg vom 6.-7. Mai 2006
Einmal nicht auf den Spuren der Askanier zu wandeln, bedeutet neue Wege zu gehen. So waren diesmal keine verwandtschaftlichen Beziehungen der Fürstenhäuser Anhalt Bernburg und Kassel der Ausgangspunkt dieses Ausfluges, sondern in Vergessenheit geratene wissenschaftliche Beobachtungen und Untersuchungen eines jungen Bernburger „Mathematicus".
Dr. Jürgen Hamel erleutert die Wilhelmsuhr" Im Jahre 1584 trat durch Vermittlung des Fürsten Joachim Ernst von Anhalt Christoph Rothmann aus Bernburg als Astronom in den Dienst des Landgrafen Wilhelm IV zu Kassel. Dieser selbst naturwissenschaftlich interessierte und hochgebildete Landgraf hatte die erste Sternwarte der Neuzeit in Europa gegründet und führte regelmäßig Observationen durch. Christophorus Rothmannus Bernburgensis, wie der in Wittenberg studierte freidenkende Astronom sich nannte, führte diese Beobachtungen der Gestirne und Kometen systematisch fort und dokumentierte alle Ergebnisse akribisch, daraus entstand ein Sternkatalog. Die Genauigkeit der Sternpositionen steht den Aufzeichnungen und Beobachtungen moderner Kataloge in keinster Weise nach. Rothmanns Aufzeichnungen noch vor wenigen Jahren unbekannt, publizierte der Astronom und Historiker Jürgen Hamel 2002. Die 48 Teilnehmer der Exkursion erlebten mit Jürgen Hamel eine lebendige Führung durch das Kasseler Museum für Technik und Astronomie. Von Rothmann und dem Schweizer Mechaniker Jost Bürgi gemeinsam entwickelte noch funktionstüchtige Instrumente erklärte und bediente Jürgen Hamel, so dass alle Teilnehmer in die nicht bequeme Beobachtungslage langer Nächte in das 16. Jahrhundert zurückversetzt wurden.
Der Renaissancemensch Christoph Rothmann wird für Bernburg und seine Zeit eine Neueinordnung in die Reihe bahnbrechender Astronomen wie Copernikus und Keppler erfahren müssen.
Kassel begeisterte bei strahlendem Sonnenschein mit seinem herrlichen Landschaftspark und dem Weißensteinflügel des Schlosses Wilhelmshöhe.
Die Eröffnung der Wasserspiele, eine technische und architektonische Meisterleistung des 18. Jahrhunderts zieht unverändert auch im 21. Jahrhundert unzählige Besucher an. Das Hinabsprudeln des Wassers über die Kaskaden zu verfolgen, durch Wasserdruck betriebenen Trompeten zu lauschen, löst bei allen Beobachtern eine Bewunderung und Erstaunen hervor.
Im Hintergrund der aufsteigenden Großen Fontäne am Ende der Wasserspiele verliert sogar der über allem thronende gewaltige Herkules an seiner Mächtigkeit.
Mit dem Besuch des Barockschlosses Bad Arolsen inmitten dichter Wälder und Hügel des Nordhessischen Berglandes gelegen, führte die Exkursion wieder in die verwandtschaftliche Nähe der Askanier, den Oraniern. Der geführte Schlossrundgang durch reichausgestattete Wohn- und Repräsentationsgemächer der Fürsten zu Waldeck und Pyrmont lässt auch heute den herrschaftlichen Glanz verspüren. Die direkte Verwandtschaft zum Haus Oranien wurde durch die Heirat der Waldeckschen Prinzessin Emma 1879 begründet, die somit zur Stammmutter des niederländischen Königshauses wurde.
Die Exkursionsteilnehmer erlebten beim Oranierfest vor dem Schlossgebäude ein bißchen niederländisches Flair, anlässlich der Eröffnung des Großen Oranier-Radwanderweges durch Europa. Beim Verkosten von Orangebitterlikör, Genever und anderer niederländischer Spezialitäten machten einige Teilnehmer auch die weltliche Bekanntschaft mit Fürst Wittekind zu Waldeck und Pyrmont beim kühlen Waldecker Bier.
Zwei erlebnis- und aufschlussreiche Tage zeigten, dass auch ein „Seitensprung" abseits der Spuren der Askanier, der Erkundung der Geschichte der Region Anhalt Bernburg neue Reize verleihen kann.
Die Begeisterung und das Dankeschön aller Teilnehmer an die Organisatoren der Exkursion beweisen es. |